Struktur und Erstellung von Umweltgesamtrechnungen
Die Erstellung von Umweltgesamtrechnungen erfolgt auf Grundlage des internationalen Systems der umweltökonomischen Gesamtrechnungen (SEEA – System of Environmental-Economic Accounting). Dieses wird von den Vereinten Nationen als internationaler statistischer Rahmen für die Verknüpfung von Umwelt- und Wirtschaftsinformationen bereitgestellt.
Die Umweltgesamtrechnungen umfassen unterschiedliche Rechnungsansätze, die sich grundsätzlich in monetäre, physische und hybride Konten unterteilen lassen. Durch die Weiterentwicklung des europäischen Rechtsrahmens wurden diese Rechnungsansätze um zusätzliche Module erweitert, insbesondere in den Bereichen Wald, Ökosysteme und umweltbezogene Förderungen.

Für die Umweltgesamtrechnung in Österreich sind aktuell drei Kontenarten relevant:
Monetäre Konten
Monetäre Konten erfassen umweltbezogene wirtschaftliche Aktivitäten und Zahlungsströme auf Basis der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Sie dienen insbesondere der Analyse wirtschaftlicher Auswirkungen von Umweltpolitik und umweltbezogenen Investitionen. Dazu zählen insbesondere Umweltschutzausgaben, umweltbezogene Transfers sowie der Umweltgüter- und Umweltdienstleistungssektor.
Physische Konten
Physische Konten erfassen jene Material- und Energieflüsse, die eine Volkswirtschaft in einer Periode durchlaufen sowie deren Materialbestände. Dementsprechend unterscheidet man zwischen Fluss- und Bestandsrechnungen. Zu den physischen Flussrechnungen zählen in Österreich insbesondere Materialfluss-, Energie-, Luftemissions-, Wasser- und Abfallrechnungen. Ergänzend gewinnen im Zuge der Weiterentwicklung der Umweltgesamtrechnungen auch Bestandsinformationen zu natürlichen Ressourcen und Ökosystemen zunehmend an Bedeutung.
Hybride Konten
Hybride Konten verknüpfen physische Umweltinformationen mit wirtschaftlichen Daten innerhalb eines gemeinsamen Rechnungssystems. Dadurch können Umweltwirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten sektoral analysiert und mit ökonomischen Kennzahlen in Beziehung gesetzt werden. Ein Beispiel hierfür sind integrierte NAMEA-Rechnungen (National Accounting Matrix including Environmental Accounts).
Neue Module der Umweltgesamtrechnungen
Zur Unterstützung des Europäischen Green Deals und weiterer europäischer Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategien wurde der Anwendungsbereich der europäischen Umweltgesamtrechnungen erweitert. Die europäischen Umweltgesamtrechnungen umfassen zusätzlich folgende Module:
- Waldrechnungen (forest accounts)
- Ökosystemrechnungen (ecosystem accounts)
- Umweltbezogene Subventionen und ähnliche Transfers (environmental subsidies and similar transfer accounts)
Die neuen Module verbessern insbesondere die Datengrundlage für die Analyse von Biodiversität, Naturkapital, Ressourcennutzung und umweltbezogenen Fördermaßnahmen. Sie ergänzen die bestehenden Kontenarten und umfassen je nach methodischem Ansatz monetäre, physische oder kombinierte Elemente. Dadurch werden zentrale Aspekte der ökologischen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft umfassender statistisch abgebildet.
