Umweltorientierte Produktion und Dienstleistung

Aufgrund der globalen Herausforderungen in den Bereichen Klimaschutz, Umweltschutz und Ressourcenschonung gewinnt die Umweltwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Die Umweltwirtschaft produziert bzw. liefert Güter und Dienstleistungen, wie Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft, erneuerbare Energien, Niedrigenergie- und Passivhäuser oder die Behandlung von Abfällen und Abwässern, die einem von zwei Zwecken dienen: Schutz der Umwelt oder Erhaltung des Bestands an natürlichen Ressourcen.

Foto Solarpanele

Im Jahr 2019 hat die Europäische Kommission den Green Deal - einen ehrgeizigen Fahrplan für eine nachhaltige, ressourcenschonende und wettbewerbsfähige Wirtschaft - verabschiedet. Die von der Umweltwirtschaft produzierten Waren und Dienstleistungen sind von zentraler Bedeutung für dieses Ziel. Die Statistiken über die umweltorientierte Produktion und Dienstleistung (EGSS) ermöglichen Analysen zu Umweltbeschäftigung sowie Entwicklung der umweltbezogenen Produktion, Bruttowertschöpfung und Exporten und werden auch der Evaluierung der Ziele im Rahmen des Europäischen Green Deals dienen. Die Bruttowertschöpfung der umweltorientierten Produktion und Dienstleistung stellt den Beitrag der Umweltwirtschaft zum BIP dar.

Der Übergang zu einer vollständig kreislauforientierten, weniger ressourcenintensiven Wirtschaft ist ein zentrales Ziel des Europäischen Green Deals. Neben dem klassischen Umweltschutz gewinnt das Ressourcenmanagement also immer mehr an Bedeutung. Ein Strukturwandel von nachsorgenden zu integrierten Technologien ist allerdings schon seit Jahren zu beobachten. Umwelttechnologien und Produkte sollen natürliche Ressourcen schonen, sowie zu einer möglichst effizienten Nutzung derselben beitragen.

Um dem wachsenden Informationsbedarf im umweltökonomischen Bereich Rechnung zu tragen, wurde das Konzept der umweltorientierten Produktion und Dienstleistung bereits vor über zwanzig Jahren entwickelt. Die Konten des Sektors umweltorientierte Produktion und Dienstleistung sind Teil des Systems der umweltökonomischen Gesamtrechnungen (SEEA-CF - System of Environmental-Economic Accounting 2012 - Central Framework), welches als internationaler Standard dient. Im Europäischen Kontext wurden die ersten Piloterhebungen im Jahr 2009 gestartet. In Österreich werden Kennzahlen über die Umweltwirtschaft seit 2008 jährlich erhoben.

Mit der Verordnung (EU) 538/2014 wurde die EGSS in die EU Verordnung über europäische umweltökonomische Gesamtrechnungen (VO (EU) 691/2011) aufgenommen und die Berechnung somit auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Mit dem Ziel, die Umweltwirtschaft auf europäischer Ebene möglichst vergleichbar zu machen, wurde diese Verordnung um die Durchführungsverordnung (EU) 2174/2015 ergänzt, die neben anderen auch jene Umweltgüter und -dienstleistungen auflistet, die in der EGSS zu erfassen sind. Das Eurostat-Methodenhandbuch der EGSS und ein ebenfalls veröffentlichter Leitfaden enthalten zudem umfassende Anleitungen und Empfehlungen zur Datensammlung. Im Jahr 2017 wurden die endgültigen Werte für die Jahre 2014 und 2015 erstmals verpflichtend an Eurostat übermittelt.

Die mit umweltorientierten Produkten und Dienstleistungen erzielten Produktionswerte, Bruttowert­schöpfung, Exporte und die damit verbundene Beschäftigung werden nach mehreren Gliederungsmerkmalen dargestellt:

  • Art der Wirtschaftsleistung:  Marktproduktion, Nichtmarktproduktion, Hilfstätigkeiten, Aktivierte Eigenleistungen
  • Art des Umweltproduktes: Umweltdienstleistungen, Verbundene Güter, Umweltfreundliche Güter, End-of-pipe Technologien, Integrierte Technologien             
  • Umweltschutz- und Ressourcenmanagementaktivitäten: Klassifikationssysteme CEPA für Umweltschutzaktivitäten und CReMA für Ressourcenmanagementaktivitäten
  • Wirtschaftsbereiche: ÖNACE auf 2-Steller Ebene
  • Regionale Gliederung: Bundesländer

 

Abbildung mit Gliederungsmerkmalen der umweltorientierten Produktion und Dienstleistung
Abb.: Gliederungsmerkmale umweltorientierter Produktion und Dienstleistung