Umweltpolitische und Rechtliche Grundlagen
Umweltgesamtrechnungen sind in den Leitlinien der EU über Umweltindikatoren und ein grünes Rechnungssystem verankert. Ziel ist die bessere Abbildung der wechselseitigen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Umwelt. 1996 forderte der österreichische Nationalrat in einer Entschließung die Ökologisierung der traditionellen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Im gleichen Jahr vereinbarte Eurostat mit den statistischen Ämtern der EU-Mitgliedstaaten, Module für Umweltgesamtrechnungen zu entwickeln.
Europäische Strategie für Umweltgesamtrechnung (ESEA)
Die 2003 entwickelte europäische Strategie für die Umweltgesamtrechnungen (ESEA – European Strategy for Environmental Accounts) ist EU-weit auf breite Akzeptanz gestoßen. Die Umweltgesamtrechnungen sollen die Ziele der nachhaltigen Entwicklung, der Europa-2020 Strategie und der Umweltpolitik der EU messen. Die ESEA wird von Eurostat in Kooperation mit den Mitgliedstaaten laufend weiterentwickelt.
Kommissionsmitteilung zu GDP and beyond vom 20. 8. 2009
Die Europäische Kommission stellte in einer Mitteilung vom 20. August 2009 konkrete Schritte zur Entwicklung von ökologischen und sozialen Indikatoren zur Ergänzung des BIP vor. Darin werden die nachfolgenden fünf wesentlichen Handlungsfelder vorgeschlagen, um das BIP um eine ökologische und soziale Dimension zu erweitern.
- Ergänzung des BIP um Umwelt- und soziale Indikatoren
- Aktuellere Informationsbereitstellung für Entscheidungsträger
- Genauere Berichterstattung über Verteilungsaspekte und Ungleichheiten
- Entwicklung einer Europäischen "Anzeigetafel" (Scoreboard) für nachhaltige Entwicklung
- Erweiterung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen um Umweltaspekte und soziale Themen
Eine weitere Herausforderung sieht die Europäische Kommission in der monetären Bewertung der Kosten von Umweltschäden und Umweltleistungen. Die Kommission beabsichtigt, ihre Arbeiten auf diesem Gebiet zu intensivieren. Es ist zu erwarten, dass dieses Policy Paper dazu führen wird, dass integrative Auswertungen und Analysen von Umweltdaten gemeinsam mit sozio-ökonomischen Daten in größerem Ausmaß als bisher angefragt werden.
Verordnung (EU) Nr. 691/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. Juli über europäische umweltökonomische Gesamtrechnungen.
Sowohl im Sinne der Kommissionsmitteilung zu GDP and beyond, als auch gemäß den Bestrebungen der Europa-2020 Strategie, sieht diese Verordnung die Entwicklung einer Datengrundlage für umweltpolitische Entscheidungen, in dem ökologische und ökonomische Aspekte miteinander verknüpft werden, vor. Aufgrund der in den Mitgliedstaaten vorhandenen Datenbasis umfasst die Verordnung derzeit drei Module der Umweltgesamtrechnung. Dabei handelt es sich um die Module Luftemissionsrechnung, umweltbezogene Transfers und Materialflussrechnung. Die Entwicklung und Implementierung weiterer Module ist in der Verordnung verpflichtend vorgesehen und wird schrittweise umgesetzt werden.
Globale Dimension: SEEA
Auf internationaler Ebene publizierte ein ExpertInnengremium der UN-Statistikabteilung 2003 das Handbuch zum integrierten System umweltökonomischer Gesamtrechnungen (SEEA - System of Environmental and Economic Accounting). Dieses wird derzeit von der Statistikkommission der Vereinten Nationen (UNSC) gemeinsam mit der London Gruppe - einer internationalen Arbeitsgruppe von Expertinnen und Experten zum Thema Umweltgesamtrechnungen - überarbeitet. Ziel ist, einen statistischen Standard zu entwickeln, der alle Aspekte der Umweltgesamtrechnungen abdeckt. Das überarbeitete SEEA soll 2012 von der UN-Statistikkommission genehmigt werden.
Stiglitz - Kommission (Stiglitz-Sen-Fetoussi Report)
Ausgehend von einem unbefriedigenden Status verfügbarer statistischer Informationen über Ökonomie und Gesellschaft wurde 2008 auf Initiative der französischen Regierung unter Nicolas Sarkozy eine Expertenkommission gegründet.
Die vorrangige Aufgabe dieser "Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress" war es die Grenzen des BIP als Indikator für ökonomische Leistung und sozialen Fortschritt zu identifizieren.
Unter dem Vorsitz von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz wurden durch die Kommission zwölf Empfehlungen ausgearbeitet, welche zusätzlichen Informationen erforderlich sind, um geeignete Indikatoren für die Messung des sozialen Fortschritts zu entwickeln.
Nach den Vorstellungen der Kommission soll der Report als Grundlage für weiterführende wissenschaftliche Arbeiten zum Thema betrachtet und im Rahmen von Diskussionen in der Fachwelt weiterentwickelt werden.
In dem 2004 durch die OECD veröffentlichten Dokument "Recommendation of the Council on Material Flows and Resource Productivity" werden Empfehlungen formuliert, im Rahmen der Themen Materialfluss und Ressourcenproduktivität, umweltbezogene und wirtschaftliche Informationen miteinander zu verlinken.
Bei den Empfehlungen geht es vorrangig darum, in länderübergreifender Kooperation, Fachwissen zum Thema Materialfluss verfügbar zu machen, sowie Methoden zur Datensammlung, Messmethoden und Indikatoren hinsichtlich Materialfluss und Ressourcenproduktivität zu entwickeln und einzusetzen.
Aufbauend auf diesen Empfehlungen wurde 2008 die "Recommendation of the Council on Resource Productivity" veröffentlicht, mit dem Ziel die Resourceneffizienz weiter zu verbessern und so negative Umwelteinwirkungen durch Materialverbrauch zu reduzieren.
Der Begriff Ressourceneffizienz enthält dabei eine quantitative Dimension (Menge produzierter Output mittels eines bestimmten Inputs natürlicher Ressourcen) und eine qualitative Dimension (Umweltauswirkungen pro Einheit produzierter Output). Auf diese Weise soll effizientes Ressourcenmanagement zu einem ökonomischen Wachstum und einer Reduktion des Drucks auf die Umwelt beitragen und die langfristige Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen sicherstellen.
Infobox
Links
UNSD: System of Environmental and Economic Accounting (SEEA 2003)
STATISTIK AUSTRIA: Umweltgesamtrechnung
Mitteilung der Europ. Komission zu GDP and beyond
ESEA - Revised European Strategy for Environmental Accounting
Stiglitz-Sen-Fitoussi Report: Measurement of Economic Performance and Social Progress
OECD: Recommendation of the Council on Material Flows and Resource Productivity (2004)
OECD: Recommendation of the Council on Resource Productivity (2008)
EU: Verordnung über europäische umweltökonomische Gesamtrechnungen





